VideoMixing-Kurs in Ableton: vom ersten Fader bis zum fertigen Master
In diesem Kurs mische und mastere ich einen echten Track Schritt für Schritt: „Gate to Ibiza“ von DIDI (DE), ein Melodic-House-Track, den ich als Ghost Producer gebaut habe. In Teil 1 setze ich die Pegel, in Teil 2 kommt das Mastering mit meiner kompletten Kette. Zu jedem Video findest du hier die Schritte zum Nachlesen.
Teil 1Pegel setzen: Kick zuerst, alles andere drunter
01Erst die Pegel, dann alles andere
Der Track im Video ist „Gate to Ibiza“ von DIDI (DE), ein Melodic-House-Track, den ich als Ghost Producer für ihn gebaut habe. Bevor ich ihn fertig mische, packe ich ihn in ein grobes Korsett: Jede Spur bekommt eine Lautstärke, die zum Rest passt.
Das ist noch kein finaler Mix. Es ist das Gerüst, auf dem alles Weitere aufbaut.
02Schritt 1: Drei Gruppen bilden
Ich sortiere jeden Track in drei große Gruppen:
- Drums: Kick, Bass, Bass-Pad, Drum Loops, Clap, Percussion, Hi-Hats und alle Effekte wie Sweeps, Crashes, Fills und Snare Rolls
- Instruments: alle Synths, Piano, Pads und Sequenzen
- Vocals: die Hauptstimme und darunter die Chöre
03Schritt 2: Alles runterziehen
Dann öffne ich den Mixer. In der Drums-Gruppe klicke ich die erste Spur an, also die Kick, und drücke Cmd+A (am Mac, unter Windows Strg+A). Jetzt sind alle Spuren der Gruppe ausgewählt, und ich ziehe sie gemeinsam ganz runter. Dasselbe mit den Instruments. Bei den Vocals ziehe ich einfach die komplette Gruppe runter.
Danach ist nichts mehr zu hören. Genau so soll es sein: Jetzt baue ich den Mix Spur für Spur neu auf.
04Schritt 3: Die Kick auf -12 dB
Ich fange immer mit der Bassdrum an. Ich lasse die Kick laufen und ziehe den Fader langsam hoch, bis die obere Anzeige im Kanal bei etwa -12 steht. Im Video waren es -11,9, das passt.
Die Kick ist das Lauteste im Track. Das heißt: Alles andere muss unter -12 bleiben, also bei -13, -14, -15 oder darunter. Nirgends darf -11 stehen, denn das wäre lauter als die Kick.
05Schritt 4: Den Bass einpegeln
Als Nächstes kommt der Bass. Eine grobe Richtung sind etwa -15 dB, manchmal auch -14. Das ist eine Hausnummer, kein fester Wert. Es geht nur darum, dass der Bass seinen Platz unter der Kick bekommt.
Meine Richtwerte für den Start
Kick
etwa -12 dB
das Lauteste im Track, alles richtet sich nach ihr
Bass
etwa -15 dB, manchmal -14
grobe Richtung, sitzt unter der Kick
Alles andere
unter -12 dB, nach Gehör
nichts darf lauter sein als die Kick
Gemessen an der oberen Pegelanzeige im Ableton-Mixer. Richtwerte für das grobe Gerüst, kein fertiger Mix.
06Schritt 5: Ab jetzt nach Gehör
Ab hier schaue ich nicht mehr auf die Anzeige. Drum Loops, Clap, Percussion und Hi-Hats ziehe ich nach Gehör dazu. Wenn etwas zu laut ist, hörst du es.
Effekte wie Sweeps, Crashes und Fills prüfe ich im Arrangement an der Stelle, an der sie kommen. Wichtig ist dabei, wie sie mit der Bassdrum zusammenspielen. Manche Lautstärken kannst du erst richtig einstellen, wenn alles andere schon drin ist.
07Panning: nie mehr als 10
Mein Tipp: Pann nie mehr als 10 nach rechts oder links. Hartes Panning kann sinnvoll sein, wenn du zum Beispiel sieben Hi-Hat-Spuren hast. Sonst halte ich den Mix lieber moderat und eher mono und mache das Stereobild später mit einem Imager breiter, zum Beispiel aus Ozone.
Der Grund ist der Club: Läuft dein Track auf einer Mono-Anlage, können hart gepannte Elemente wegfallen. Im schlimmsten Fall fehlt dann eine Melodie. Deshalb gehört alles Wichtige in die Mitte.
08Eine Melodie, zwei Synths
Im Track spielen zwei Sequenzen dieselbe Melodie. Die eine ist eher perkussiv und setzt sich im Mix durch. Die andere spielt eine Oktave tiefer und macht das Ganze fetter. Allein würde keine von beiden tragen, zusammen decken sie verschiedene Bereiche ab. Deshalb spiele ich eine Melodie oft mit zwei Synths.
09Zum Schluss: den ganzen Song anhören
Wenn alle Spuren drin sind, brauche ich den Mixer nicht mehr. Ich höre den ganzen Song durch und korrigiere, was in der Summe nicht passt. Im Video war es der Clap: Allein gemischt klang er gut, mit allem zusammen schlug er zu stark durch. So tastest du dich langsam heran.
Teil 2Mastering: meine komplette Kette mit Ozone 12
Der Mix aus Teil 1 steht, jetzt kommt das Mastering. Ich zeige dir meine komplette Mastering-Kette in Ableton Live, so wie ich sie bei echten Produktionen benutze: Gullfoss, die J37 Tape-Maschine für mehr Druck und als Herzstück Ozone 12.
01Vor dem Mastering: genug Headroom
Bevor ich irgendetwas auf den Master lege, schaue ich mir den Pegel an. Im Video geht der Master in der Spitze bis etwa -5 bis -6 dB. Das ist genug Headroom, also genug Platz für die Mastering-Kette und den Limiter.
02Die ganze Kette auf einem Knopf
Meine Mastering-Kette lade ich mit einem einzigen Knopf auf meinem Elgato Stream Deck. Darin stecken, in dieser Reihenfolge:
- Gullfoss: glättet spitze, unschöne Frequenzen
- Waves J37: Tape-Maschine für mehr Druck
- Ozone 12: das Herzstück mit EQ, Imager und Maximizer
- Insight von Native Instruments: zeigt mir die Lautheit in LUFS
- LowEnd Balance: Kontrolle für Kick und Bass
- VSX von Slate Digital: Kontrolle über Kopfhörer in anderen Studioräumen
Wie das mit dem Stream Deck funktioniert, zeige ich in einem eigenen Video.
03Gullfoss: etwas smoother
Gullfoss bereinigt spitze und unschöne Frequenzen. Im Vorher-Nachher-Vergleich im Video hörst du es: Mit Gullfoss klingt der Track einfach ein bisschen smoother.
04J37: Hat der Track genug Druck?
Die J37 von Waves ist eine Tape-Maschine. Ich habe sie, seit mir in einem analogen Studio jemand bei meiner Kick gesagt hat: Die hat keinen Druck.
Level In und Level Out sind gekoppelt: Drehe ich den Eingang hoch, geht der Ausgang runter. Ich drehe so weit hoch, bis genug Schub da ist. Das VU-Meter darf dabei fast ins Rote gehen, denn das ist eine analoge Einstellung. Es darf nur nicht zu viel sein.
05Ozone 12: erst lernen lassen
Ozone muss zuerst das Signal analysieren. Dafür suche ich mir den lautesten Part im Song. Der kommt meistens nach dem letzten Drop, wenn alles drin ist, auch die Vocals und Chöre. Dort lasse ich Ozone neu lernen.
Danach wechsle ich vom einfachen Modus in den Advanced Mode. Dort sehe ich alle Module einzeln: Equalizer, Imager, Clarity, Stabilizer, Dynamic EQ und den Maximizer.
06EQ: den Vorschlag nie zu 100 %
Der EQ schlägt mir vor, wo zu viel und wo zu wenig ist. Im Video wollte er im Bass etwas abnehmen. Ich nehme das nur als Vorschlag: Der Amount steht auf 100 %, ich drehe ihn ungefähr auf die Mitte. So nehme ich etwas von dem mit, was Ozone vorschlägt, aber nicht alles.
07Imager: kein Stereo im Bass
Der Imager teilt das Signal in vier Bänder. Das erste geht bis 120 Hz. Dieses Band ziehe ich ganz runter, denn im Bass brauchen wir kein Stereo. Oben, bei den Hi-Hats, darf es gern etwas breiter sein.
08Clarity, Stabilizer, Dynamic EQ
Diese drei Module schaue ich mir an, schraube aber meist nicht daran. Da vertraue ich dem, was Ozone vorschlägt. Der Dynamic EQ sucht sich Frequenzen, die stören könnten, und greift nur ein, wenn sie auftauchen.
09Maximizer: IRC 5
Der Maximizer ist das Herzstück. Upward Compression schalte ich ab, denn die holt auch den Dreck von unten hoch. Stereo Independence stelle ich auf null.
Beim Modus nehme ich nur noch IRC 5, den gibt es seit Ozone 12. Für mich ist das die absolute Waffe.
10Lautheit: -6 bis -8 LUFS
Wie laut der Track wird, lese ich im Insight ab. Wichtig ist der LUFS-Wert, vor allem der Short-Term-Wert. Mein Ziel liegt grob zwischen -6 und -8 LUFS. Ob es am Ende -7, -6,8 oder -7,4 sind, ist egal.
Dafür drehe ich im Maximizer den Gain hoch, bis ich höre, dass es anfängt zu clippen und zu heftig wird. Dann gehe ich ein Stückchen zurück. Damit steht der Master im Groben.
Meine Richtwerte fürs Mastering
Headroom
Spitze etwa -5 bis -6 dB
Platz für Kette und Limiter
Ozone-EQ
Amount etwa auf der Mitte
ein Vorschlag, kein Gesetz
Imager
kein Stereo bis 120 Hz
der Bass gehört in die Mitte
Lautheit
-6 bis -8 LUFS
Gain hoch, bis es clippt, dann zurück
Meine Werte für elektronische Clubmusik. Ein grober Master, keine Formel für jeden Track.
11Zur Kontrolle: LowEnd Balance und VSX
LowEnd Balance zeigt mir, wie sich Kick und Bass zwischen 20 und 60 Hz und zwischen 60 und 200 Hz verteilen. Bei diesem Track hätte er oben gern etwas mehr gehabt. Ich habe den Track aber schon im Club gehört, und dort funktioniert er. Die Anzeige ist für mich ein Richtwert, keine Vorschrift.
VSX von Slate Digital simuliert über Kopfhörer verschiedene Studioräume. So höre ich meinen Mix noch einmal in einem anderen Raum. Wichtig: VSX nur mit Kopfhörer anhören, über Boxen klingt es schräg.
12A/B-Vergleich mit einer einzigen Taste
Wenn ich zwei Plugins vergleichen will, muss ich normalerweise eines aus- und das andere einschalten. Das geht auch mit einer Taste:
- Rechtsklick auf den Ein/Aus-Schalter des ersten Plugins, dann „Tastenzuweisung bearbeiten“
- Eine freie Taste drücken, im Video das N
- Beim zweiten Plugin genauso, wieder mit N
- Eins ist an, eins ist aus: Jeder Druck auf N schaltet jetzt um
So vergleichst du in Echtzeit, während der Song läuft.
13Bonus: mein eigenes Mastering-Plugin
Am Ende des Videos zeige ich etwas, an dem ich gerade baue: Hirte Master. Die Idee war, meine ganze Kette in ein einziges Plugin zu packen, mit Tonal Balance, Tape, EQ, Dynamic EQ, Punch, Stereobild und Limiter. Auch Hirte Master hört sich den Track zuerst an und macht dann Vorschläge.
Fertig ist es noch nicht. Vor allem den Limiter bekomme ich noch nicht so gut hin wie Ozone. Im Video hörst du den direkten Vergleich.
KontaktDeinen eigenen Track gemeinsam mischen
Häufige Fragen
Auf welchen Pegel setze ich die Kick in Ableton?
Ich ziehe die Kick auf etwa -12 dB an der oberen Pegelanzeige im Mixer. Sie ist das Lauteste im Track, alle anderen Spuren bleiben darunter.
Wie wähle ich alle Spuren einer Gruppe auf einmal aus?
Im Mixer die erste Spur der Gruppe anklicken und Cmd+A drücken (Mac) bzw. Strg+A (Windows). Dann lassen sich alle Fader gemeinsam ziehen.
Warum nicht hart nach links oder rechts pannen?
Auf einer Mono-Anlage im Club können hart gepannte Elemente wegfallen, im schlimmsten Fall eine Melodie. Ich bleibe deshalb bei höchstens 10 und mache das Stereobild später mit einem Imager breiter.
Wie viel Headroom brauche ich vor dem Mastering?
Im Video geht der Master vor dem Mastering in der Spitze bis etwa -5 bis -6 dB. Das reicht als Platz für die Mastering-Kette und den Limiter.
Auf welche Lautheit mastere ich elektronische Musik?
Mein Ziel liegt grob zwischen -6 und -8 LUFS. Ich drehe den Gain im Maximizer hoch, bis es anfängt zu clippen, und gehe dann ein Stück zurück.
Warum kein Stereo im Bass?
Im Bass brauchen wir kein Stereo. Im Imager von Ozone ziehe ich deshalb das unterste Band bis 120 Hz ganz runter. Oben, etwa bei den Hi-Hats, darf es breiter sein.
Wie vergleiche ich zwei Plugins in Ableton mit einer Taste?
Rechtsklick auf den Ein/Aus-Schalter des ersten Plugins, „Tastenzuweisung bearbeiten“ und eine freie Taste drücken, zum Beispiel N. Beim zweiten Plugin dasselbe. Ist eins an und eins aus, schaltet jeder Druck auf N zwischen beiden um.