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VideoMixing-Kurs in Ableton: vom ersten Fader bis zum fertigen Master

In diesem Kurs mische und mastere ich einen echten Track Schritt für Schritt: „Gate to Ibiza“ von DIDI (DE), ein Melodic-House-Track, den ich als Ghost Producer gebaut habe. In Teil 1 setze ich die Pegel, in Teil 2 kommt das Mastering mit meiner kompletten Kette. Zu jedem Video findest du hier die Schritte zum Nachlesen.

Von Robin Hirte · 800+ Releases auf Beatport · Teil 1 vom 18. Oktober, Teil 2 vom 25. Oktober 2026

Mischpult mit leuchtenden VU-Metern

Teil 1Pegel setzen: Kick zuerst, alles andere drunter

So starte ich jeden Mix: Kick zuerst, alles andere drunter

Das Video öffnet sich auf youtube.com.

Video auf YouTube ansehen (11:49 Min.) →

01Erst die Pegel, dann alles andere

Der Track im Video ist „Gate to Ibiza“ von DIDI (DE), ein Melodic-House-Track, den ich als Ghost Producer für ihn gebaut habe. Bevor ich ihn fertig mische, packe ich ihn in ein grobes Korsett: Jede Spur bekommt eine Lautstärke, die zum Rest passt.

Das ist noch kein finaler Mix. Es ist das Gerüst, auf dem alles Weitere aufbaut.

02Schritt 1: Drei Gruppen bilden

Ich sortiere jeden Track in drei große Gruppen:

  • Drums: Kick, Bass, Bass-Pad, Drum Loops, Clap, Percussion, Hi-Hats und alle Effekte wie Sweeps, Crashes, Fills und Snare Rolls
  • Instruments: alle Synths, Piano, Pads und Sequenzen
  • Vocals: die Hauptstimme und darunter die Chöre

03Schritt 2: Alles runterziehen

Dann öffne ich den Mixer. In der Drums-Gruppe klicke ich die erste Spur an, also die Kick, und drücke Cmd+A (am Mac, unter Windows Strg+A). Jetzt sind alle Spuren der Gruppe ausgewählt, und ich ziehe sie gemeinsam ganz runter. Dasselbe mit den Instruments. Bei den Vocals ziehe ich einfach die komplette Gruppe runter.

Danach ist nichts mehr zu hören. Genau so soll es sein: Jetzt baue ich den Mix Spur für Spur neu auf.

04Schritt 3: Die Kick auf -12 dB

Ich fange immer mit der Bassdrum an. Ich lasse die Kick laufen und ziehe den Fader langsam hoch, bis die obere Anzeige im Kanal bei etwa -12 steht. Im Video waren es -11,9, das passt.

Die Kick ist das Lauteste im Track. Das heißt: Alles andere muss unter -12 bleiben, also bei -13, -14, -15 oder darunter. Nirgends darf -11 stehen, denn das wäre lauter als die Kick.

05Schritt 4: Den Bass einpegeln

Als Nächstes kommt der Bass. Eine grobe Richtung sind etwa -15 dB, manchmal auch -14. Das ist eine Hausnummer, kein fester Wert. Es geht nur darum, dass der Bass seinen Platz unter der Kick bekommt.

Meine Richtwerte für den Start

Kick

Richtwert

etwa -12 dB

Warum

das Lauteste im Track, alles richtet sich nach ihr

Bass

Richtwert

etwa -15 dB, manchmal -14

Warum

grobe Richtung, sitzt unter der Kick

Alles andere

Richtwert

unter -12 dB, nach Gehör

Warum

nichts darf lauter sein als die Kick

Gemessen an der oberen Pegelanzeige im Ableton-Mixer. Richtwerte für das grobe Gerüst, kein fertiger Mix.

06Schritt 5: Ab jetzt nach Gehör

Ab hier schaue ich nicht mehr auf die Anzeige. Drum Loops, Clap, Percussion und Hi-Hats ziehe ich nach Gehör dazu. Wenn etwas zu laut ist, hörst du es.

Effekte wie Sweeps, Crashes und Fills prüfe ich im Arrangement an der Stelle, an der sie kommen. Wichtig ist dabei, wie sie mit der Bassdrum zusammenspielen. Manche Lautstärken kannst du erst richtig einstellen, wenn alles andere schon drin ist.

07Panning: nie mehr als 10

Mein Tipp: Pann nie mehr als 10 nach rechts oder links. Hartes Panning kann sinnvoll sein, wenn du zum Beispiel sieben Hi-Hat-Spuren hast. Sonst halte ich den Mix lieber moderat und eher mono und mache das Stereobild später mit einem Imager breiter, zum Beispiel aus Ozone.

Der Grund ist der Club: Läuft dein Track auf einer Mono-Anlage, können hart gepannte Elemente wegfallen. Im schlimmsten Fall fehlt dann eine Melodie. Deshalb gehört alles Wichtige in die Mitte.

08Eine Melodie, zwei Synths

Im Track spielen zwei Sequenzen dieselbe Melodie. Die eine ist eher perkussiv und setzt sich im Mix durch. Die andere spielt eine Oktave tiefer und macht das Ganze fetter. Allein würde keine von beiden tragen, zusammen decken sie verschiedene Bereiche ab. Deshalb spiele ich eine Melodie oft mit zwei Synths.

09Zum Schluss: den ganzen Song anhören

Wenn alle Spuren drin sind, brauche ich den Mixer nicht mehr. Ich höre den ganzen Song durch und korrigiere, was in der Summe nicht passt. Im Video war es der Clap: Allein gemischt klang er gut, mit allem zusammen schlug er zu stark durch. So tastest du dich langsam heran.

Teil 2Mastering: meine komplette Kette mit Ozone 12

Der Mix aus Teil 1 steht, jetzt kommt das Mastering. Ich zeige dir meine komplette Mastering-Kette in Ableton Live, so wie ich sie bei echten Produktionen benutze: Gullfoss, die J37 Tape-Maschine für mehr Druck und als Herzstück Ozone 12.

Mastering in Ableton: Meine komplette Kette mit Ozone 12 (Mixing Kurs Teil 2)

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01Vor dem Mastering: genug Headroom

Bevor ich irgendetwas auf den Master lege, schaue ich mir den Pegel an. Im Video geht der Master in der Spitze bis etwa -5 bis -6 dB. Das ist genug Headroom, also genug Platz für die Mastering-Kette und den Limiter.

02Die ganze Kette auf einem Knopf

Meine Mastering-Kette lade ich mit einem einzigen Knopf auf meinem Elgato Stream Deck. Darin stecken, in dieser Reihenfolge:

  • Gullfoss: glättet spitze, unschöne Frequenzen
  • Waves J37: Tape-Maschine für mehr Druck
  • Ozone 12: das Herzstück mit EQ, Imager und Maximizer
  • Insight von Native Instruments: zeigt mir die Lautheit in LUFS
  • LowEnd Balance: Kontrolle für Kick und Bass
  • VSX von Slate Digital: Kontrolle über Kopfhörer in anderen Studioräumen

Wie das mit dem Stream Deck funktioniert, zeige ich in einem eigenen Video.

03Gullfoss: etwas smoother

Gullfoss bereinigt spitze und unschöne Frequenzen. Im Vorher-Nachher-Vergleich im Video hörst du es: Mit Gullfoss klingt der Track einfach ein bisschen smoother.

04J37: Hat der Track genug Druck?

Die J37 von Waves ist eine Tape-Maschine. Ich habe sie, seit mir in einem analogen Studio jemand bei meiner Kick gesagt hat: Die hat keinen Druck.

Level In und Level Out sind gekoppelt: Drehe ich den Eingang hoch, geht der Ausgang runter. Ich drehe so weit hoch, bis genug Schub da ist. Das VU-Meter darf dabei fast ins Rote gehen, denn das ist eine analoge Einstellung. Es darf nur nicht zu viel sein.

05Ozone 12: erst lernen lassen

Ozone muss zuerst das Signal analysieren. Dafür suche ich mir den lautesten Part im Song. Der kommt meistens nach dem letzten Drop, wenn alles drin ist, auch die Vocals und Chöre. Dort lasse ich Ozone neu lernen.

Danach wechsle ich vom einfachen Modus in den Advanced Mode. Dort sehe ich alle Module einzeln: Equalizer, Imager, Clarity, Stabilizer, Dynamic EQ und den Maximizer.

06EQ: den Vorschlag nie zu 100 %

Der EQ schlägt mir vor, wo zu viel und wo zu wenig ist. Im Video wollte er im Bass etwas abnehmen. Ich nehme das nur als Vorschlag: Der Amount steht auf 100 %, ich drehe ihn ungefähr auf die Mitte. So nehme ich etwas von dem mit, was Ozone vorschlägt, aber nicht alles.

07Imager: kein Stereo im Bass

Der Imager teilt das Signal in vier Bänder. Das erste geht bis 120 Hz. Dieses Band ziehe ich ganz runter, denn im Bass brauchen wir kein Stereo. Oben, bei den Hi-Hats, darf es gern etwas breiter sein.

08Clarity, Stabilizer, Dynamic EQ

Diese drei Module schaue ich mir an, schraube aber meist nicht daran. Da vertraue ich dem, was Ozone vorschlägt. Der Dynamic EQ sucht sich Frequenzen, die stören könnten, und greift nur ein, wenn sie auftauchen.

09Maximizer: IRC 5

Der Maximizer ist das Herzstück. Upward Compression schalte ich ab, denn die holt auch den Dreck von unten hoch. Stereo Independence stelle ich auf null.

Beim Modus nehme ich nur noch IRC 5, den gibt es seit Ozone 12. Für mich ist das die absolute Waffe.

10Lautheit: -6 bis -8 LUFS

Wie laut der Track wird, lese ich im Insight ab. Wichtig ist der LUFS-Wert, vor allem der Short-Term-Wert. Mein Ziel liegt grob zwischen -6 und -8 LUFS. Ob es am Ende -7, -6,8 oder -7,4 sind, ist egal.

Dafür drehe ich im Maximizer den Gain hoch, bis ich höre, dass es anfängt zu clippen und zu heftig wird. Dann gehe ich ein Stückchen zurück. Damit steht der Master im Groben.

Meine Richtwerte fürs Mastering

Headroom

Richtwert

Spitze etwa -5 bis -6 dB

Warum

Platz für Kette und Limiter

Ozone-EQ

Richtwert

Amount etwa auf der Mitte

Warum

ein Vorschlag, kein Gesetz

Imager

Richtwert

kein Stereo bis 120 Hz

Warum

der Bass gehört in die Mitte

Lautheit

Richtwert

-6 bis -8 LUFS

Warum

Gain hoch, bis es clippt, dann zurück

Meine Werte für elektronische Clubmusik. Ein grober Master, keine Formel für jeden Track.

11Zur Kontrolle: LowEnd Balance und VSX

LowEnd Balance zeigt mir, wie sich Kick und Bass zwischen 20 und 60 Hz und zwischen 60 und 200 Hz verteilen. Bei diesem Track hätte er oben gern etwas mehr gehabt. Ich habe den Track aber schon im Club gehört, und dort funktioniert er. Die Anzeige ist für mich ein Richtwert, keine Vorschrift.

VSX von Slate Digital simuliert über Kopfhörer verschiedene Studioräume. So höre ich meinen Mix noch einmal in einem anderen Raum. Wichtig: VSX nur mit Kopfhörer anhören, über Boxen klingt es schräg.

12A/B-Vergleich mit einer einzigen Taste

Wenn ich zwei Plugins vergleichen will, muss ich normalerweise eines aus- und das andere einschalten. Das geht auch mit einer Taste:

  • Rechtsklick auf den Ein/Aus-Schalter des ersten Plugins, dann „Tastenzuweisung bearbeiten“
  • Eine freie Taste drücken, im Video das N
  • Beim zweiten Plugin genauso, wieder mit N
  • Eins ist an, eins ist aus: Jeder Druck auf N schaltet jetzt um

So vergleichst du in Echtzeit, während der Song läuft.

13Bonus: mein eigenes Mastering-Plugin

Am Ende des Videos zeige ich etwas, an dem ich gerade baue: Hirte Master. Die Idee war, meine ganze Kette in ein einziges Plugin zu packen, mit Tonal Balance, Tape, EQ, Dynamic EQ, Punch, Stereobild und Limiter. Auch Hirte Master hört sich den Track zuerst an und macht dann Vorschläge.

Fertig ist es noch nicht. Vor allem den Limiter bekomme ich noch nicht so gut hin wie Ozone. Im Video hörst du den direkten Vergleich.

KontaktDeinen eigenen Track gemeinsam mischen

Häufige Fragen

Auf welchen Pegel setze ich die Kick in Ableton?

Ich ziehe die Kick auf etwa -12 dB an der oberen Pegelanzeige im Mixer. Sie ist das Lauteste im Track, alle anderen Spuren bleiben darunter.

Wie wähle ich alle Spuren einer Gruppe auf einmal aus?

Im Mixer die erste Spur der Gruppe anklicken und Cmd+A drücken (Mac) bzw. Strg+A (Windows). Dann lassen sich alle Fader gemeinsam ziehen.

Warum nicht hart nach links oder rechts pannen?

Auf einer Mono-Anlage im Club können hart gepannte Elemente wegfallen, im schlimmsten Fall eine Melodie. Ich bleibe deshalb bei höchstens 10 und mache das Stereobild später mit einem Imager breiter.

Wie viel Headroom brauche ich vor dem Mastering?

Im Video geht der Master vor dem Mastering in der Spitze bis etwa -5 bis -6 dB. Das reicht als Platz für die Mastering-Kette und den Limiter.

Auf welche Lautheit mastere ich elektronische Musik?

Mein Ziel liegt grob zwischen -6 und -8 LUFS. Ich drehe den Gain im Maximizer hoch, bis es anfängt zu clippen, und gehe dann ein Stück zurück.

Warum kein Stereo im Bass?

Im Bass brauchen wir kein Stereo. Im Imager von Ozone ziehe ich deshalb das unterste Band bis 120 Hz ganz runter. Oben, etwa bei den Hi-Hats, darf es breiter sein.

Wie vergleiche ich zwei Plugins in Ableton mit einer Taste?

Rechtsklick auf den Ein/Aus-Schalter des ersten Plugins, „Tastenzuweisung bearbeiten“ und eine freie Taste drücken, zum Beispiel N. Beim zweiten Plugin dasselbe. Ist eins an und eins aus, schaltet jeder Druck auf N zwischen beiden um.